Gedenken auch an die Zerstörung anderer europäischer Städte

Am 07. März 2020 jähre sich zum 75. Mal die Zerstörung der Stadt essau im 2. Weltkrieg. Das Netzwerk gelebte Demokratie hat diesen Jahrestag zum Anlass genommen, um gemeinsam mit zahlreichen Partnern, im Rahmen eines Gedenkprogramms, unter dem Motto Versöhnung schafft Frieden ein deutliches Zeichen der Mahnung zu setzen. 

Dabei sollte nicht nur die Geschichte Dessaus im Mittelpunkt stehen. Ebenso wollten die Organisatoren im Rahmen eines Stadtrundganges auch an die Zerstörung anderer europäischer Städte erinnern. An 6 Stationen sollte an die Städte Guernica, Warschau, Dessau, Leningrad, Coventry und Rotterdam gedacht werden - und an die Menschen, die dort durch den von Deutschland ausgegangenen Krieg litten. Als engagierte Bürgerinnen und Bürger, demokratische Parteien, Kirchengemeinden, Kultureinrichtungen, Wirtschaftsunternehmen und Vereinen an Elbe und Mulde sollte ein klares Zeichen der Toleranz und Weltoffenheit aus unserer Stadt gesandt werden. 

Versöhnung schafft Frieden!

Der Verein Projektschmiede Dessau e.V. stellte sich als aktives Mitglied im Netzwerk gelebte Demokratie als Träger des Aktionstages zur Verfügung und stellte einen Projektantrag bei der Partnerschaft für Demokratie Dessau-Roßlau.

250 kamen zur Begrüßung um 13:00 Uhr zum Bauhaus Museum in der Innenstadt, was bei den Organisatoren für Erleichterung sorgte - kamen angesichts anderenorts bereits verhängter Versammlung- und Veranstaltungsverbote wegen der nahenden Corona-Pandemie, bereits Bedenken wegen zu geringer Zahl an Teilnehmenden auf. Doch vielen Menschen unserer Stadt ist dieser Tag sehr wichtig. "Auch das Wetter ist auf unserer Seite.", freut sich Daniel Kutsche bei der Begrüßung der Teilnehmenden. Auch Oberbürgermeister Kuras zeigte sich sehr bewegt von dem Veranstaltungsformat und dankte dem Netzwerk Gelebte Demokratie und seinen Akteuren für die nie endende Bereitschaft, für die Demokratie einzutreten.

 

Mit eindrucksvollen Zeitzeugenschilderungen wird hier der Zerstörung der spanischen Stadt Guernica durch deutsche Bomber der verbrecherischen deutschen Wehrmacht gedacht. Das Programm, unterlegt mit antifaschistischer Musik aus dem spanischen Bürger Krieg hat der Stadtverband der Partei DIE LINKE umgesetzt.

 

Stilles Gedenken an der Stele in der Akanischen Strasse. Hier wird an die Liquidierung des Warschauer Ghettos durch die Nazis erinnert, der zigtausende jüdische Menschen zum Opfer fielen.

 

An der dritten Station des Rundgangs war die Teilnehmendenzahl bereits auf 300 Interessierte angestiegen. Oberbürgermeister Peter Kuras sagte in seiner vielbeachteten Rede in der Marienkirche das die Zerstörung deutscher Städte durch die alliierte Luftwaffe hin und wieder immer noch kritisch diskutiert werde. Aber das Dessau als Rüstungszentrum, Verkehrsknotenpunkt und Ort der Zyklon B-Produktion ein kriegswichtiges Ziel war, stehe außer Frage.

Das Stadtoberhaupt ging auf darauf ein, dass bei der Bombardierung der Stadt auch zahlreche Zwangsarbeiter_innen ums Leben kamen denn es oftmals verwehrt wurde, Schutzräume aufzusuchen. Schließlich sprach er sich nochmals deutlisch gegen rassistische und neonazistische Hetze und Gewalt in der Jetztzeit aus.

Dr. Frank Kreißler vom Stadtarchiv gab dann noch eine kurze Einführung in die Exposition "Dessau in Trümmern" und eröffnete damit zugleich die sehenswerte Ausstellung, die noch einige Monate in der Marienkirche zu sehen sein wird.

Abgeschlossen wurde das Programm mit einer szenischen Lesung des Kirchenkreises Dessau, die Zeitzeugenberichte der Dessauer Bombennacht vom 07. März 1945 zum Inhalt hatte.

 

Sehr beindruckend war das Programm am Liboriusgymnasium, umgesetzt von Schüler_innen des Russischkurses und dem Schuldirektor Benedikt Kraft. Hier stand die Erinnerung an die Hungerblockade von Leningrad im Mittelpunkt, die nicht nur die längste Blockade in der Menscheinheitsgeschichte (1941 bis 1944) war, sondern auch fast eine Millionen Tote forderte.

Die meisten kamen dabei nicht durch die eigentlichen Kriegshandlungen um Leben, sondern verhungerten qualvoll. Für einen sehr bewegenden Moment sorgten die Schüler_innen indes, als sie symbolische Brotrationen verteilten die zeigen sollten, mit wie wenig die Menschen in Leningrad auskommen mussten.

 

Das Nagelkreuzzentrum an der Anhaltischen Diakonissenanstalt zeichnete für die 5. Station an der Johanniskirche verantwortlich.

Hier stand alles unter dem großem Motto VERSÖHNUNG, waren es doch gerade Christen in der von Nazideutschland zerstörten englischen Stadt Coventry, die schon während des Krieges dazu mahnten. In dem Beitrag wurde auch deutlich, wie zynisch und menschenverachtend die Sprache der Nationalsozialisten war. Nach der Bombardierung dieser Stadt sprach die Wehrmacht und die NS-Propaganda bei zukünftigen Bombenangriffen vom "coventrieren".

 

Die letzte Station fiel etwas aus dem Rahmen, war aber nicht weniger berührend. Aus einem Fenster an der Vorderfront des Anhaltischen Theaters verlasen Schauspieldirektor Alexander Kohlmann zusammen mit einer Kollegin die UN-Charta der allgemeinen Menschenrechte. Umrahmt wurde das Programm durch Bläser des Hauses. Dafür gab es jede Menge Applaus.

Ralf Zaizek und Daniel Kutsche vom Verein Projektschmiede Dessau e.V. führten die Teilnehmenden durch die Stadt. Nach dem Programm des Anhaltischen Theaters, erinnerten sie an dien Carta der Toleranz, die von Menschen unserer Stadt für Menschen unserer Stadt verfasst wurde.

Im Anschluss starteten die Aktionen der Stiftung Bauhaus. 

Das Angebot dieses Nachbarschaftsfestes am Bauhaus Museums war sowohl bunt als auch nachdenklich. Neben zahlreichen Filmbeiträgen, u. a. die Produktion "Der Tod kam aus Dessau - Die nationalsozialistische Zyklon B-Produktion in Dessau" vom hiesigen Alternativen Jugendzentrum, gab es auch Mit-Mach-Aktionen, Führungen, Musik und Performance wie "Bauhaus tanzen international". Besonders interessiert blieben die Gäste vor der Ausstellung „Zeitzeugenpatenschaft“ des AJZ e.V. . Die Exposition porträtiert sieben Überlebende der nationalsozialistischen Terror-und Vernichtungspolitik, deren Zeugnisse Bestandteil des umfangreichen Archivs des Jugendzentrums sind.

Das zweite Nachbarschaftsfest des Bauhauses - eigentlich das Original weil schon im letzten Jahr durchgeführt - fand am historischen Bauhausgebäude in der Gropiusallee und auf dem Bauhausplatz statt. Die mit Durchlauf 150 Interessierten erwartete auch dort ein bunter Schüttelmix aus Aktionen. Einer der beliebtesten - der Klangfußball. Aber auch das "Bauhaus-Postamt" hatte wieder geöffnet und überall atmete es Kunst, zum Beispiel in Form von Zeltinstallationen. Natürlich stand auch die spezifische Geschichte des Bauhauses in Dessau auf der visuellen Speisekarte. Darüber hinaus stellten sich u. a. das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen (LAMSA e. V.) und das Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" in Form des Gymnasiums Philanthropinum vor.


Infos und Kontakt

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