Große Ehre für eine fast vergessene Persönlichkeit

Am 05.12.2018 hatte die Jüdische Gemeinde zu Dessau geschichtsinteressierte Bürger*innen zu einer Informations- und Gedenkveranstaltung in das Haus der Jüdischen Gemeinde eingeladen, um eine Dessauer Persönlichkeit zu würdigen, die kaum bekannt ist. Zum 50. Todestag von Dr. Georg Michelson (1876 - 1968) alias Eli Elkana bot sich die Gelegenheit, diesen Menschen und sein Wirken besser kennen zu lernen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde durch Dr. Siegfried Schnupp zur Einstimmung aus der "Dämmerstunde im Tempel" gelesen, dem einzigen bekannten Gedicht zur Dessauer Synagoge, die nur kurz von 1908 bis zu ihrer Zerstörung am 09. November 1933 in Dessau stand.

Jana Müller stellte dann das Leben und Wirken der nahezu vergessenen Dessauer Persönlichkeit in einem beeindruckenden Vortrag vor. 

Dr. Georg Michelson war ein sozial denkender Zahnarzt, der seit 1911 in Dessau lebte und wirkte. Unter dem Eindruck der Schrecken des 1. Weltkrieges wurde er ein überzeugter Pazifist, dessen frühes soziales Engagement beeindruckt. In seiner Dissertation wies er nach, dass die Schüler*innen der Dessauer Hilfsschule wesentlich schlechtere Zähne hatten als die Schüler*innen einer Schule, für die Schulgeld zu zahlen war und zeigte so die Auswirkungen sozialer Ursachen auf die (Zahn)gesundheit auf. Als Reaktion praktizierte er mit Methoden, um sozial benachteiligten Schülern die Angst vor dem Zahnarzt zu nehmen.

Neben der Medizin lebte er auf der Basis seiner jüdischen Bildung seine literarische Leidenschaft unter dem Autorennamen Eli Elkana (= Gott der Rache) aus und veröffentliche 1924 den Band "Jeschurun" zur Mythen und historischen Gestalten des Judentums. Mit den ersten Erfahrungen eines wachsenden Antisemitismus trat er bereits sehr früh und offen gegen die drohende faschistische Gefahr des Nationalsozialismus auf. Von ihm sind die einzigen Gedichte gegen die Nazis in Dessau und in Anhalt bekannt, die ihn aber auch zum ersten politischen Flüchtling vor den Nazis in Dessau machte. Am 20.03.1933 floh er nach Prag und schrieb dort am 19.04.1933 eine einzigartige Warnung an das deutsche Volk (Gedicht: Die Ritter von der weichen Birne").

Unter dem Dichternamen Eli Elkana schuf er ein umfangreiches dichterisches Werk, das sich als weitgehend vollständige Sammlung bis heute in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Anhaltischen Landesbibliothek Dessau befindet.    

Eli Elkanas Tochter Irene White, als Ilse Irene Michelson in Dessau geboren und 1935 nach England geflohen, rettete und bewahrte das dichterische Lebenswerk ihres Vaters, der in Dessau in Vergessenheit geraten war. Die tiefe Verbundenheit Elkanas zu Dessau und seiner Umgebung ist auch in dem fast unbekannten Werk "Der Traum von Wörlitz" zu spüren, in dem eine schwärmerische Begeisterung für die Parklandschaft zum Ausdruck kommt. Dieses literarische Kleinod ist einst in kleiner Auflage im Dessauer Kinzel Verlag erschienen und stellt spannende Bezüge zu antiken Mythen und Religionen her.

Das Eli Elkana nun wieder die verdiente Aufmerksamkeit erfährt, die seinem Wirken gerecht wird, ist nicht zuletzt der Arbeit von Dr. Werner Grossert zu verdanken, der sich bereits seit 1986 mit dem Leben und Schaffen Dr. Georg Michelson beschäftigt. In der Schriftenreihe der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau e.V. erschien bereits 1995 als Nummer 4 die umfangreiche Veröffentlichung "Eli Elkana - Dr. Georg Michelson; Auszüge aus seinen Werken; Versuch einer Biographie". Hierfür wurde auch seitens der Jüdischen Gemeinde großer Dank ausgesprochen.

Zum Ende der bewegenden Veranstaltung teilte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dessau, Dr. Alexander Wassermann, den Besuchern der Veranstaltung mit, dass das Museum des Jüdischen Kulturvereins in Dessau ab dem 01.01.2019 den Namen "Eli-Elkana-Museum" trägt.

 


Informationen und Kontakt 

Jüdischer Kulturverein Dessau e. V.
Kantorstraße 3
06842 Dessau-Roßlau
0340 221 5107 
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