Diskussionsrunde fand im Rahmen der Interkulturellen Woche 2018 statt

Die Idee zum Politischen Wohnzimmergespräch ist simpel: Es dreht sich um das tägliche Leben vor Ort in unserer Stadt Dessau-Roßlau. Und leider zeigt die Realität, dass wir heute noch weit von einem Zustand entfernt sind, dass sich jeder, unabhängig seiner Herkunft und Glaubenszugehörigkeit, unbeschwert entfalten darf.

Durch unbegründete Vorurteile und Ängste ist zunehmend ein Abstand zwischen den Menschen mit Migrationshintergrund und der Mehrheitsgesellschaft wahrnehmbar. Dies führt zur Ausprägung tief empfundener Barrieren, die nur durch Willenskraft und Engagement überwindbar scheinen.

Für einen Dialog braucht es aber auch einen Raum, der allen Beteiligten die Möglichkeit bietet, über diese Thematik frei zu sprechen. Einen Raum, den das heimische Wohnzimmer in der Regel darstellt.

Am 27.09.18 fand in den Räumlichkeiten der jüdischen Gemeinde zu Dessau ein solches politisches Wohnzimmergespräch an einer reich gedeckten Tafel mit jüdischen Speisen statt. Mit dabei waren u.a. Kommunalpolitiker*innen von SPD (Robert Hartmann), CDU (Eiko Adamek) und Bündnis 90/Die Grünen (Marcus Geiger), Amadi Indjai (Imam der Muslimischen Gemeinde Dessau) sowie Dr. Wassermann (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dessau). Unter Leitung der Moderatorin Larissa Wallner ging es um Fragen, die die Zielgruppe in ihrem Alltag wirklich beschäftigen.

Fragen zur Teilhabe in der kommunalen Politik, zum Zugang zu sozialen Strukturen wie Wohnungsmarkt, Bildungs- und Kulturangeboten und die Öffnung von Vereinen und Verbänden wurden aufgegriffen. Und natürlich auch integrationshemmende Faktoren wie die gruppenbezogene Menschfeindlichkeit (Alltagsrassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus) zur Sprache gebracht.

Die sehr freundliche, offene Gesprächsrunde hat sich natürlich unter dem aktuellen Eindruck der tragischen Ereignisse von Chemnitz und Köthen mit eigenen Erlebnissen zu Diskriminierung und sogar Bedrohung (z.B. Kippaträger) auseinander gesetzt. Dabei spielte die Frage einer politischen Positionierung z.B. des Stadtrats eine wichtige Rolle. 

So sagte Robert Hartmann (SPD) hierzu: "Diese Themen müssen stärker in den Focus rücken. Ein Austausch darüber findet relativ wenig statt. Die CHARTA DER TOLERANZ könnte ein gutes Beispiel für eine klare Positionierung zum Miteinander sein."

Aus Sicht von Eiko Adamek (CDU) klingt das so: "Jeder soll die Möglichkeit haben, die Zeichen seines Glaubens offen tragen zu können. Hier bei uns mag es manchmal ungewohnt sein, Männer mit Kippa und Frauen mit Kopftuch zu sehen, andernorts ist das schon normaler Teil des Stadtbildes. Über diese Formen der Ausgrenzung diskutieren wir derzeit intensiv."

Für Marcus Geiger (Bündnis 90/Die Grüne) gilt: "Bei den Grünen ist das schon ein großes Thema. Die Diskriminierung von Minderheiten wird auch im anstehenden Wahlkampf ein Kernthema sein."

Wie wichtig eine solche Auseinandersetzung ist, machten Berichte anderer Teilnehmer an dieser Veranstaltung deutlich, die von empfundener oder direkt erlebter Bedrohung erzählten.

Einigkeit herrscht darüber, dass gerade das direkte Gespräch - so wie an diesem Abend - die besten Voraussetzungen für ein gegenseitiges Verständnis bieten, und daher viel öfter gesucht werden sollten. Das Wohnzimmergespräch könnte dafür ein geeignetes Format sein. 


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