„Manche denken die Juden kommen aus dem Weltall“

Gut 25 Interessierte sind am 26. September 2018 in die Jüdische Gemeinde Dessau gekommen. Ein Stadtrat ist darunter und auch die Stadtverwaltung zeigt Präsenz. Der Anlass ist die Eröffnung der Exposition „Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute“, die seit gut zwei Jahren durch die Republik tingelt und nun bis einschließlich Ende Oktober in der Stadt zu besichtigen ist. Die von der Zeitbild-Stiftung umgesetzte und kuratierte Schau zeigt konzeptionell gewollt und mit einem biographischen Ansatz die Vielfalt von jüdischen Lebenswegen in der Gegenwart. Das Besondere der Ausstellung vor Ort: Extra wurden 5 Exponate erstellt, die Biographien von jüdischen Menschen aus Dessau und Sachsen-Anhalt präsentieren. Für die PARTNERSCHAFT FÜR DEMOKRATIE mehr als ein Grund, dieses wichtige Projekt im Rahmen der Interkulturellen Woche 2018 (mehr dazu hier…) zu fördern.
    
Dr. Alexander Wassermann merkt man an, dass er mit Herzblut bei der Sache ist. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Dessau sagt unumwunden: „Diese Ausstellung zeigt Lebensläufe von Juden, die ihren Glauben ausleben können.“ Nicht ohne Stolz in der Stimme ist er davon überzeugt, dass die vorgestellten Persönlichkeiten in der Gesellschaft Sachsen-Anhalts angekommen sind: „Dabei können sie ganz sie selbst sein.“
 

Dr. Alexander Wassermann eröffnet die Ausstellung

„Zum Anfang dachte ich, was hat eine den Buddhismus praktizierende Japanerin eigentlich in der Jüdische Gemeinde zu suchen“, sagt augenzwinkernd Mika Kaiyama. Die Antwort lieferte die Mitarbeiterin des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen (LAMSA e. V.) gleich selbst mit: „Sehr viel“. Für die LAMSA-Mitarbeiterin stand es deshalb außer Frage, dass Projekt in Kooperation zu unterstützen. Schließlich geht es darum, persönliche Kontakte auf Augenhöhe zwischen Zugewanderten und Einheimischen zu ermöglichen. Da passt eine Ausstellung, die einmal nicht den Blick in die Vergangenheit richtet sondern auf Interaktion im Hier und Jetzt setzt, perfekt ins Bild. Mika Kaiyama blieb es vorbehalten, auf die Schattenseiten anno 2018 hinzuweisen: „Man sieht was kürzlich in Chemnitz passiert ist, ein schlimmer antisemitischer Übergriff.“
 
 


Jana Pozikova hat eine pointierte Zuspitzung im Gepäck: „Manche denken die Juden kommen aus dem Weltall.“ Was sie damit mein liegt auf der Hand. Wie ihre Vorrednerin geht es um das Konkrete und Fassbare, abseits von abstrakten Vorstellungen, Zerrbildern und Stereotypen. Die Sozialarbeiterin der Gemeinde, ständig mit den alltäglichen Herausforderungen der Jüdinnen und Juden in Dessau und Umgebung befasst, weiß wohl wovon sie spricht. Deshalb ist es ihr ein Bedürfnis, eine besondere Aufzählung in den Raum zu werfen: „Sänger, Polizist, Ärztin und Psychologe.“ Das sind die vollendeten Arbeits- und Lebensbiographien von Gemeindemitgliedern, die in den letzten 25 Jahren in Dessau groß geworden sind und die in der Ausstellung porträtiert werden. Sie haben jüdische Freizeiten und Ferienlager besucht und organisiert, das Kulturleben in der Kantorstraße 3 bereichert, sind mittlerweile verheiratet und stolz auf ihre Kinder. Auch wenn die meisten von ihnen heute nicht mehr in der Stadt sind, es sie nach Magdeburg, Leipzig oder Frankfurt/Main gezogen hat, bleibt die Verbundenheit mit der Gemeinde bestehen- regelmäßige Besuche inklusive.


Die Sozialarbeiterin Jana Pozikova stellt Details der Exposition vor






Und während die meisten Ausstellungsexponate bald ihren Weg zurück zur Zeitbild-Stiftung nach Berlin antreten um anderswo gezeigt zu werden, bleiben die fünf Roll Up`s mit Dessaubezug hier, auch und gerade um an Elbe und Mulde weiter zum Einsatz zu kommen. Mehr Nachhaltigkeit, um mal ein Wortungeheuer aus dem Projektmanagement zu bemühen, geht nun wirklich nicht.  



INFOS / KONTAKT
Jüdischer Kulturverein Dessau e. V.
Kantorstraße 3
06842 Dessau-Roßlau
0340 221 5107
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Interkulturelle Woche 2018
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Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute
26. September bis 25. Oktober 2018
Jüdischen Gemeinde zu Dessau (Kantorstraße 3, 06842 Dessau-Roßlau)

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