Starkes Zeichen für Toleranz und Vielfalt zum Ende des „Beatclub“

„Volles Haus!“ meldeten die Veranstalter kurz vor Weihnachten, am 22.12.2017 im „Beatclub“ Dessau. Das Festival „Love Christmas – Hate Facism“ vereinte einmal mehr 4 lokale Bands, die ihre musikalischen Wurzeln auch in Dessau haben (Arctic Island, Storyteller, Reach The Surface, A Shade Higher) und einen Gast-Act mit den Hafensaengers unter dem Dach der Kult-Kulturstätte, dieein bewusstes, deutliches Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen wollten.

Unter dem Eindruck des spürbaren Rechtsrucks nach dem Ausgang der Bundestagswahl 2017 taten sich diese Bands spontan für dieses Festival zusammen. Leider zeigt sich nämlich gerade jetzt wieder – besonders mit Blick auf die zunehmenden Erfolge rechtspopulistischer Gruppierungen -, dass eine deutliche Positionierung im geänderten politischen Klima immer schwieriger wird. Musik war dabei schon in der Vergangenheit ein wichtiges Stilmittel der Meinungsäußerung, das nach wie vor von vielen Musikern gerne genutzt wird. Hier wird durchaus auch der Vorbildcharakter der Künstler genutzt, wenngleich in Teilen auch missbraucht. „Love Christmas – Hate Facism“ war also die musikalische Reaktion einer nach wie vor lebendigen Musikszene in Dessau.

Waren die energiegeladenen Shows der 5 Bands zwar ein deutliches Statement für die Sache, so stand der Abend doch auch gleichzeitig unter dem Eindruck der traurigen, gerade bekannt gewordenen Nachricht, dass der „Beatclub“ schon wenige Tage später für immer schließen würde. In der traditionsreichen Dessauer Live-Location hatte sich die Dessauer junge Musikerszene mit zahlreichen Veranstaltungen wie dem jährlichen „Dessauer Allstars“-Festival immer wieder zusammengefunden und wollte nun auch mit dem Winter-Festival „Love Christmas – Hate Facism“ ein bewusstes, deutliches Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen. Mit der Schließung des „Beatclub“ fehlt nicht nur der Ort für Veranstaltungen dieser Art in der Zukunft, sondern auch die Haltung der „Beatclub-Macher“, wie sie im Abschiedsstatement noch einmal deutlich wurde. Das Team verabschiedete sich mit dem Fazit, „…dass wir zusammen gezeigt haben, dass auch in einer Stadt wie Dessau neben Unterschichtenbespaßung, neben affigem „Hoch“kulturgeschwurbel, neben Larmoyanz und Lethargie ein fetter Stinkefinger seinen Platz hatte.“ (Facebook-Beitrag vom 24.12.2017)

So hatte der Abend durchaus einen bitteren Beigeschmack, ließ in der Deutlichkeit der Botschaft vor der Bühne und von der Bühne allerdings keine Zweifel offen: Alle Beteiligten waren (neben einer gehörigen Portion Spaß an 5 großartigen Livebands) Botschafter einer klaren Message: „Love Christmas – Hate Facism“, oder (und hier zitieren wir noch einmal das Beatclub-Team in seiner Abschiedsnachricht) „Stay rude – stay rebel!“.

Für die Band Arctic Island war es übrigens der allerletzte Liveauftritt – sie haben sich bei dieser Show von ihren Fans verabschiedet. Und das hat der „Beatclub“ dann am Ende des Jahres auch gemacht.

 

Schade, in Dessau fehlt nun etwas. Definitiv.


 


 

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